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E-Commerce · Bd. I

Shopify, Shopware 6, WooCommerce: Plattform-Bilanz für KMU 2026

Drei Shop-Systeme dominieren den DACH-Mittelstand. Eine sachliche Gegenüberstellung von Hosting-Modell, Total Cost of Ownership und Vendor-Lock-in.

Wer 2026 im DACH-Raum eine Shop-Plattform auswählt, entscheidet sich faktisch zwischen drei Schwergewichten: Shopify (Toronto, SaaS), Shopware 6 (Schöppingen, Open-Source mit kommerziellen Editionen) und WooCommerce (WordPress-Plugin von Automattic). Magento, mittlerweile als Adobe Commerce gehandelt, bleibt für den oberen Mittelstand und Enterprise relevant, fällt aber aus Kostengründen für den klassischen KMU-Use-Case meist heraus. Die Entscheidung ist selten so klar, wie sie in Vergleichstabellen erscheint.

Hosting-Modell und Operational Burden

Shopify ist SaaS im strengen Sinn: keine Server, keine Patches, keine Wartungsfenster. Der Preis dafür ist ein Plattform-Mietverhältnis, das mit monatlich 36 EUR für „Basic” beginnt und für Shopify Plus im Bereich 2.300 USD pro Monat (Vertragspreise variieren) liegt. Shopware 6 ist primär selbstgehostet, mit Community Edition kostenfrei und kommerziellen Editionen (Rise, Evolve, Beyond) ab knapp 600 EUR pro Monat. Die Cloud-Variante existiert, der Markt nutzt sie aber überwiegend on-premise oder bei spezialisierten Hostern wie maxcluster oder Hetzner-Dedicated.

WooCommerce ist technisch nur ein WordPress-Plugin und damit am unteren Ende der Investitionskurve, gleichzeitig am oberen Ende der Wartungslast. Wer WooCommerce betreibt, betreibt WordPress, mit allen bekannten Update-, Plugin-Konflikt- und Security-Implikationen. Für einen Händler mit zwei Mitarbeitenden ohne IT-Ressource ist das eine reale Kostenposition, die in keiner Lizenzgebühr auftaucht.

Total Cost of Ownership über drei Jahre

Eine seriöse TCO-Rechnung schließt Lizenz, Hosting, Themes, Apps, Payment-Gebühren und Entwicklungs-Stunden ein. Shopify wirkt günstig im Einstieg, addiert aber Apps mit zwischen 10 und 200 USD pro Monat (Klaviyo, Judge.me, Recharge), und die Transaktionsgebühr von 2,0 Prozent bei Nicht-Nutzung von Shopify Payments wird oft unterschätzt. Über drei Jahre erreicht ein mittelgroßer Shopify-Shop schnell 25.000 bis 40.000 EUR an Plattform-Kosten ohne Entwicklung.

Shopware 6 verschiebt die Kosten in Richtung Implementierung und Hosting: Die Lizenz ist überschaubar oder null (Community Edition), die Einrichtung durch eine Agentur kostet erfahrungsgemäß zwischen 15.000 und 80.000 EUR, abhängig vom Customizing-Grad. WooCommerce zeigt im ersten Jahr die niedrigste Rechnung, in den Jahren zwei und drei dann die unerfreulichen Migrations- und Plugin-Update-Posten.

Headless-Reife und App-Ökosystem

Shopify hat mit der Storefront API und Hydrogen ein produktionsreifes Headless-Setup. Shopware 6 ist von Grund auf API-First entwickelt und bietet mit der Admin- und Store-API eine vergleichbare Tiefe, plus die PWA-Storefront Shopware Frontends. WooCommerce kann Headless via REST und Store API, hat aber die schwächste Dokumentations- und Tooling-Lage der drei, was sich in höheren Frontend-Entwicklungs-Kosten niederschlägt.

Das App-Ökosystem ist bei Shopify am breitesten, bei WooCommerce am wildesten (Plugin-Qualität streut massiv), und bei Shopware am DACH-spezifischsten. Wer Datev-Anbindung, JTL-Wawi-Schnittstelle, IDEALO-Connector oder deutsche Fulfillment-Provider wie pickware nutzt, findet im Shopware-Ökosystem überproportional viel.

Vendor-Lock-in und Exit-Pfade

Eine Migration weg von Shopify ist möglich, aber unangenehm: Themes (Liquid), Apps und URL-Strukturen sind plattformspezifisch. Shopware 6 erlaubt durch die Open-Source-Basis und Standard-Datenmodelle den vergleichsweise saubersten Exit. WooCommerce-Daten liegen ohnehin in einer eigenen MySQL-Datenbank, was technisch frei macht, aber wegen Plugin-spezifischer Tabellen-Erweiterungen praktisch komplex bleibt.

Empfehlung mit Vorbehalt

Eine pauschale Antwort verbietet sich. Für einen Händler mit unter 500 Bestellungen pro Monat, ohne IT-Affinität, mit Bedarf an schneller Time-to-Market: Shopify. Für einen B2B-Händler mit komplexer Preislogik, Datev-Anbindung und DACH-Fokus: Shopware 6. Für einen Content-getriebenen Verlag, der nebenbei verkauft: WooCommerce als Anbau an die bestehende WordPress-Installation. Die wichtigste Entscheidungsregel bleibt aber eine andere: Welche Plattform beherrscht die Agentur, mit der man die nächsten fünf Jahre arbeitet.


Ressort: E-Commerce